Auf der Spur von Monsieur le Commissaire Dupin

Die wohl populärsten Reiseführer für die Bretagne sind die Romane von Jean-Luc Banalec (Pseydonym). Die Lektüre der Bücher und deren Verfilmung haben für einen sprunghaften Anstieg der Besucherzahlen in der Bretagne geführt. 

In seinen bisher sieben erschienen Kriminalromanen löst Georges Dupin in einer zauberhaften bretonischen Welt knifflige Kriminalfälle. Der eigenwillige Le Commissaire Dupin stammt eigentlich aus Paris und versieht strafversetzt nun seinen Dienst in Concarneau, einem hübschen Städtchen an der bretonische Küste im Finestère, das einem Pariser so fremd sein muss, wie dem Bayer Ostfriesland, oder doch noch viel fremder? Jedenfalls wird es bald klar, dass die Bretagne eine Sonderstellung in Frankreich einnimmt und diese auch eigenwillig behalten will. 

Dupin bekommt deshalb bretonischen Nachhilfeunterricht von seinen Mitarbeitern, besonders von  Riwal, Bretone durch und durch. Oder Nolwenn seiner genialen Assistentin, die Unmögliches möglich macht. 

Die Klärung der Kriminalfälle geraten deshalb etwas in den Hintergrund, doch die Lektüre macht Freude, da mit jedem Buch ein neues Mysterium der Bretagne beleuchtet, doch nie wirklich geklärt wird. Die Neugier ist geweckt!

So intensiv sind seine Erzählungen, dass man sofort den Wunsch verspürt, diese besondere Bretagne mit eigenen Augen zu sehen und mit allen Sinnen zu erfassen. Einmal davon ergriffen, lässt es einen nicht mehr los. Und der nächste Urlaub in die Bretagne wird geplant.

Toll ist auch, dass die in den Roman beschriebenen Lokalitäten – sei es ein Hotel oder Restaurant – in der Regel real existieren, da macht die Entdeckungsreise nochmal so viel Spass.

Für unsere bretonische Entdeckungsreise haben wir ein altes reedgedecktes Häuschen in Névez gemietet. Hervorragend für einen Bretagneurlaub geeignet auch mit Hund, denn Marley war wieder mit von der Partie. Und der Küstenwanderweg geht direkt am Haus vorbei. Wanderwege sind nicht umbedingt selbstverständlich in Frankreich, aber in der Bretagne gibt es reichlich, einige davon sind spektakulär.

Bretonisches Ferienhaus

Der erste Roman „Bretonische Verhältnisse“ führt uns nach Pont-Aven. Ein hübsches Dörfchen, dass sich unter den Einfluss von Paul Gauguin und anderen Impressionisten zu einer Künstlerkolonie entwickelt hatte und immer noch davon profitiert, das heisst Pont-Aven steht auf der Hitliste der Urlauber. Viele Galerien sind hier vertreten und auch Souvenirläden. Das Dorf zieht sich an den Aven entlang mit hübschen Brücken.

Mühle in Pont-Aven

Wenn man Zeit mitbringt, sollte man eine Wanderung entlang des Flusses unternehmen. Der Wanderweg führt unter anderem nach Port Manech. Angenehm, denn auf dem Wanderweg enden die Touristenströme. Der Weg führt zum Teil am Fluss entlang und zum Teil durch bewaldetes Gebiet. Auf den Weg liegt die Chapelle de Hénan verträumt unter hohen Bäumen.

Chapelle de Hénan

Port-Manech, ein kleines Fleckchen, der zu Névez gehört, hat für mich einen der schönsten Strände in der Region: klein aber fein. Einen herrlichen Blick über den Strand hat man von der Brasserie La Châtaigneraie. Ein Platz um den Abend ausklingen zu lassen.

Plage in Port Manech

Hier lässt es sich hervorragend Moules marinières essen, nur die „frites“ sind eine kleine Katastrophe, doch darüber kann man hinwegsehen, denn der Service ist freundlich und der Blick einfach einmalig. Überhaupt sind die Miesmuscheln in der Bretagne von einer unglaublich Zartheit, garnicht zu vergleichen mit zum Teil zähen Muscheln, die man in Deutschland serviert bekommt.

Moules et frites

Am Strand liegt auch das Hotel Manoir Dalmor, in dem es sich herrschaftlich nächtigen und dinieren  läßt. Die Zimmer sind großzügig und unterschiedlich eingerichtet.

Manoir Dalmor

Besonders ist auch der etwas abseits gelegene Hafen „Port Kerdruc“. Beschaulich klimpern die kleinen Yachten im Aven. Wir sitzen tiefen entspannt im Bistro de l’Escailler beim ersten Glas Muscadet. Man ist überrascht wie schnell das kleine Restaurant mittags bis auf den letzten Platz besetzt ist, da Port Kerdruc außer Hafen, Bistro und Atmosphäre eigentlich nichts touristisches zu bieten hat. Doch das Bistro ist auf Meeresfrüchte spezialisiert und bietet auch verschiedene Austern an. Bei der Lektüre von „Bretonischer Stolz“ ist mir erst bewußt geworden, das Auster nicht gleich Auster ist. Die Huitres plates haben einen etwas milderen, fast nussigen Geschmack, im Vergleich zu den den Huitres creuses. In der Regel kommen die Huitres plates aus dem nahegelegenem Fluss Belon und heißen deshalb auch Belonaustern.

Belonaustern

Zu den Austern wird ein herausragendes Graubrot gereicht. Alleine davon hätten wir uns beinahe satt gegessen. Doch wir wollten auch noch den Hummer mit Kari Gosse probieren. Kari Gosse ist eine von einem Apotheker speziell für Meeresfrüchte entwickelte Gewürzmischung, die überall etwas anders schmeckt.  Die Kari Gosse im Bistro l’Escailler wird großzügig über den Hummer verteilt und verbreitet einen intensiven Buttergeschmack, der sich wunderbar mit dem Hummer verbindet – himmlisch. Dazu die besten „Frites“, die wir in der Bretagne gegessen haben. Zusammen mit dem Muscadet ein Gedicht! Und on top, das Bistro hat am Montag mittags auf! Dafür muss man sonst weit fahren.

Bistro de l’Escailler, Port Kerdruc

Natürlich führt der Weg nach Concarneau und ins L’Amiral. Inzwischen ist es ratsam zu reservieren auch mittags – so populär ist das Restaurant inzwischen geworden. Der Service ist sehr freundlich und man fühlt sich sofort wohl. Der Hummer ist gut – nicht umbedingt herausragend, doch das Soufflé au caramel au beurre salé sollte man sich nicht entgehen lassen.

Soufflé au caramel

In den frühen Morgenstunden bis 10 Uhr kann man noch entspannt durch die Ville Close, der Altstadt von Concarneau spazieren, später wird es doch sehr voll.

Ville close von Concarneau

In der Ville Close von Concarneau haben wir natürlich auch den Kouign Amann probieren, eine bretonische Kuchenspezialität auf Basis von Blätterteig und ganz viel Butter. Besonders lecker, wenn dieser noch warm ist.

Kouign amann

Die Strände mit dem wunderschönen weißen Sand an dieser Küste sind in kleinen Buchten zu finden, wie der Plage de Tahiti oder der Beach Raguenes. Wuchtige Hotelbauten gibt es hier nicht, alles ist beschaulich und natürlich.

île Raguénez

Nur das kleine weiße Hotel Ar Men Du, ein Silencehotel mit Sterneküche lädt zum Verweilen ein. Das Restaurant hat auch mittags geöffnet und noch viel besser auch Marley hatte Platz.

Restaurant Ar Men Du

Wir haben zu unserem hervorragenden Menü einen Wein von der Domaine Benjamin Taillandier aus dem Minervois getrunken, ein Cuvée unter anderem mit Terret blanc, diese Rebsorte war mich eine Neuentdeckung.

Einen Ausflug sollte man unbedingt nach Quimper machen. Nach einem Bummel durch die Altstadt, lohn es in „Les Halles“. einzukaufen. Hier findet sich alles für ein reichliches Abendessen.

Les Halles Quimper
Altstadt von Quimper

Und wenn noch Zeit bleibt, sollte man noch einen Abstecher in den Fabrikverkauf von Amor Lux außerhalb von Quimper unternehmen.

Leider konnten wir nur eine Woche bleiben, so müssen wir weitere Entdeckungen auf unsere nächste Reise in die Bretagne verschieben.